Wo nichts mehr geht.... Bericht der IHK vom Januar 2013

Matthias Mulbach ist ein guter Zuhörer. Viele seiner Kunden kennt der Mann hinter der Theke schon seit einer halben Ewigkeit. „Man erfährt auch viel Privates von den Leuten, es wird ja nicht nur übers Wetter gesprochen“, sagt er. Bei dieser Beschreibung ertappt man sich schnell dabei, an eine dörfliche Eckkneipe zu denken, jene kleine  Konstante seit so vielen Jahren.

Auf Matthias Mulbach trifft das so nicht zu. Weder schenkt der 46-Jährige Bier aus noch betreibt er ein Geschäft, das sich sinnvoll als „feste Station“ beschreiben ließe. Mit einem als mobilen Verkaufsstand umgerüsteten Kleintransporter fährt Mulbach für den „Eifeler Frischdienst“ quer durch die Region.

20 solcher mobilen Läden schickt das Unternehmen jeden Tag in die ländlichen Gebiete, wo es um die Nahversorgung oft nicht gut bestellt ist. Das 1991 gegründete Unternehmen mit Sitz in Habscheid ist ein Beispiel für das Modell der „Rollenden Supermärkte“. Neben Mulbach sorgen weitere 44 Mitarbeiter
beim Eifeler Frischdienst dafür, dass die Warenbestände aufgefüllt werden und die Fahrzeuge startklar sind. Mulbachs Tour führt an diesem Tag durch Stolberg. Es ist Mittagszeit, Mausbach ist das nächste
Ziel.

In einer Seitenstraße macht er Halt. Kundin Bärbel Strauch eilt in Pantoffeln aus dem Haus, als sie den schrillen Alarmton des Versorgungsdienstes von der Straße her hört.

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Essen auf Rädern: Seit 15 Jahren versorgt Matthias Mulbach (r.) als Verkäufer eines „Rollenden Supermarktes“ die Menschen im ländlichen Raum - Foto: Heike Eisenmenger

Jedes Mal, wenn Mulbach mit seinem mobilen Verkaufsstand anhält, drückt er die kleine, schwarze Taste im Cockpit. „Das muss so laut sein, der Großteil meiner Kunden ist älter als 50 Jahre“, sagt er, „und mit zunehmendem Alter haben viele meiner Kunden Probleme mit dem Gehör.“ Dann verschwindet Mulbach kurz im Fahrzeuginneren und dreht die Kurbel zum Heraufziehen der Ladenklappe. Innerhalb von wenigen Sekunden hat der mobile Verkaufsstand geöffnet, und Mulbach postiert sich erwartungsfroh hinter dem Tresen.

Der mobile Verkaufsstand ist ein Supermarkt im Kleinformat. Das Sortiment ist aufgrund des geringen Platzes recht überschaubar, aber mit den Großen konkurrieren, das könnte der Frischdienst ohnehin nicht. Dafür habe der mobile Service einen unschlagbaren Vorteil, den kein Supermarkt in der Form anbiete, sagt Mulbach: „Wir bringen den Einkauf zu den Kunden. Sie haben das Wichtigste für den  Tagesbedarf quasi vor der Haustür.“ Das sei bequem und ideal, vor allem, wenn kleine Besorgungen anstehen. Wegen Kleinigkeiten nicht gleich zum Supermarkt gehen zu müssen – wenn es ihn denn in erreichbarer Entfernung überhaupt noch gibt –, das ist nicht nur bequem: Für manchen Bewohner der ländlichen Gegend bedeuten „Rollende Supermärkte“ auch Unabhängigkeit, denn in vielen Orten gibt es mittlerweile keinen Bäcker mehr, keinen Metzger mehr, keinen Supermarkt mehr.

Wer kein Auto hat oder aus anderen Gründen nicht einfach das Haus verlassen kann, ist froh über die Möglichkeit, „das Nötigste“ direkt vor der eigenen Haustür zu bekommen. Auch das Zwischenmenschliche ist für viele Kunden ein Grund, im „Rollenden Supermarkt“ einzukaufen. „Er ist ein netter Herr und immer so hilfsbereit“, sagt Kundin Bärbel Strauch über Verkäufer Matthias Mulbach: „Er macht das Unmögliche möglich.“ Sich die kleinen und großen Sorgen anzuhören, ist für Mulbach fester Bestandteil seines Berufs. „Ich könnte jetzt gar nicht das Haus verlassen“, sagt die Mausbacherin, die ihre Mutter pflegt und sie nicht alleine lassen will. Strauch zählt das Geld ab und nimmt das Brot in Empfang. „Backwaren machen rund 50 Prozent des Umsatzes aus“,  bilanziert Mulbach. Auch beim nächsten Halt wird Brot über die Ladentheke gereicht, und der Kunde findet schnell eine Begründung für seinen Einkauf beim Fahrdienst. „Das ist ein gutes Brot, so einfach ist das“, sagt Berthold Prost. „Außerdem ist es sehr praktisch, den Einkauf vor der eigenen Haustüre machen zu können“, erklärt der 77-Jährige. Die 62 Jahre alte Hedy Wenzler ordert indes mehrere Packungen Eier beim Frischdienst. „Diese Qualität bekommen sie nirgends in der näheren Umgebung“, sagt die Kundin.

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Hausbesuch: Mobile Verkäufer wie Matthias Mulbach liefern Lebensmittel für den täglichen Bedarf in unterversorgten Regionen bis an die Türschwelle - Foto: Heike Eisenmenger

 

Bei seinem nächsten Halt öffnet Mulbach die Klappe seines Verkaufsladens vergeblich – niemand kommt. Flugs eilt er die steile Treppe zu einem höhergelegenen Haus hinauf. „Manche Kunden sind schwerhörig, und da gehört es zum Service, dass ich persönlich klingele“, sagt er. Doch es ist tatsächlich niemand zu Hause. Mulbach geht zurück zum Transporter, packt Brötchen, Brot und Aufschnitt zusammen in eine Tasche und notiert die Waren fein säuberlich in einem schwarzen Ringbuch. Dann schnappt er sich den Beutel, flitzt erneut die Treppe hinauf und stellt die Waren vor der Eingangstür ab. „Nach all den Jahren weiß ich ziemlich genau, was der einzelne Kunde braucht. Ich liege nur selten daneben“, sagt Mulbach, der seit 15 Jahren als Verkäufer für den Frischdienst unterwegs ist. Die Tür des Transporters schließt sich wieder.
Mulbach in Mausbach, das ist für heute vorbei. Der mobile Markt rollt in Richtung nächste Ortschaft. Bäcker, Metzger und Supermarkt gibt es dort schon lange nicht mehr – aber zumindest einen Nahversorger auf vier Rädern.


Bericht Heike Eisenmenger, IHK, wirtschaftliche Nachrichten, Januar 2013

 

Brot und Wurst direkt vor der Haustür in Alfter, Generalanzeiger vom 11.02.2011

von Ilse Mohr, General-Anzeiger

helmut probst

Foto: Wolfgang Henry

Alfter. Klappe auf: Es duftet nach frischem Brot und Gebäck bis auf die Straße. Schon gehen die ersten Haustüren auf. Eisiger Wind schmälert an diesem Freitagmorgen in Alfter die Einkaufsromantik vor der Haustür. Doch die Stammkundschaft hat Beutel und Portemonnaie griffbereit und weiß, was sie will: Feines Schwarzbrot oder Stollen beispielsweise, Sechskornbrot oder ein Weizenmisch.

Backwaren sind die gefragtesten Artikel und füllen fast die Hälfte des Warenangebotes im Transporter des Eifeler Frischdiensts. Seit 25 Jahren ist Helmut

Probst (48) damit im Vorgebirge und einigen Bonner Stadtteilen unterwegs und hält überall dort, wo Kunden diese Einkaufsmöglichkeit regelmäßig nutzen wollen.

Eine scheppernde Schelle kündigt sein Kommen an. Darauf verlassen sich vor allem ältere Kunden schon seit vielen Jahren. Natürlich könnte sie auch in den Ortskern gehen, "aber das Brot aus der Eifel schmeckt besser", findet Marlene Reinold (78).

Die Anwohnerin des Görreshofs kauft auch Eier und Stollen, Kirschstreusel und Sülze, Milch und Speck. Nachbar Gerd Reuter (47) holt sich am Wagen regelmäßig sein Schwarzbrot. "Wenn er denn hält", sagt er und zwinkert Helmut Probst zu. Der allseits bekannte Fahrer war in der Vorwoche im Urlaub, und die Vertretung hatte vor Reuters Haus versehentlich nicht gehalten.

Der Geschmack der Eifeler Backwaren überzeugt seit Jahren auch Bernhard Schlich (64), Reiner Kromm (72) und Salomé Schneider (71), die ein Stück höher auf dem Görreshof wohnen. "Vor allem in unseren Broten aus Natursauerteig steckt noch viel Handarbeit. Das kommt gut an", sagt Helmut Probst. Er fährt für den 1991 von Friedhelm Hermes mit Sitz in Habscheid/Eifel gegründeten Frischdienst.

Propst ist seit sechs Uhr in der Früh unterwegs und bedient freitags in Alfter, Gielsdorf und Oedekoven rund 70 Kunden. An anderen Tagen ist er auch in Bornheimer Stadtteilen auf Tour. "Das ist praktisch", meint Katharina Fuhs (85), die zum Gehen einen Stock benötigt, zum Einkauf vor der Haustür. Mit Blick auf den Dioxin-Skandal schwört sie außerdem auf die Eifeler Eier: "Da braucht man keine Bedenken haben."

Die Qualität und zu wissen, wo die Waren herkommen, das schätzt auch Salomé Kitz (78). Für ihren Geburtstag bestellt sie Kuchen vor und fragt Probst zum Abschluss: "Wann bringen Sie mal warmes Wetter mit? Dann ginge es mir besser."

Probst weiß, dass die Sozialkontakte wichtig sind, und er hört seiner Kundschaft gerne zu. Er erlebt aber auch, dass sich Nachbarn oft die ganze Woche nicht sehen. "An meinen Wagen treffen sie sich dann und halten ein Schwätzchen."

Probst bringt die Einkäufe auch schon mal ins Haus und leistet Hilfe bei kleinen Handgriffen. Umgekehrt kann er mit Unterstützung rechnen, wenn er wie diesen Winter im Schnee stecken bleibt. Die Touren mit den unzähligen Stopps, das Rauf- und Runterkurbeln der Verkaufsklappe, sind anstrengend, vor 19 Uhr ist er meist nicht zurück in der Eifel. "Aber das hält fit", meint er. Außerdem ist er gern draußen. Bis nächste Woche dann. Klappe zu.

 

Der EIFELER FRISCHDIENST

1978 gründete Herbert Hermes den Eifeler Frischdienst und baute ihn mit seinem Bruder Friedhelm 1985 weiter aus. Seit 1991 betreiben die Brüder jeweils eigene Unternehmen. Im Vorgebirge ist die Wagenflotte der Hermesbrüder seit Anfang der 1980er Jahre unterwegs.

Das Angebot umfasst bis zu 600 Produkte. In den einzelnen Wagen ist das Sortiment jedoch nicht so groß, es wird nachfragebedingt zusammengestellt.

Wer regelmäßig vor seiner Haustür an der rollenden Theke einkaufen möchte, muss sich vorher anmelden: Rufnummer (0 65 56) 76 75. Weitere Infos unter www.eifeler-frischdienst.de.

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